Die Perspektive der medizinischen Rehabilitation
Die medizinische Rehabilitation als Maßnahme der Deutschen Rentenversicherung ist ein wesentlicher Bestandteil der Fachkräftesicherung und unterstützt bei der persönlichen, gesellschaftlichen sowie beruflichen Teilhabe in Deutschland.
Vor dem Hintergrund sich verändernder Rahmenbedingungen stellt sich jedoch die Frage, wie sich die medizinische
Rehabilitation perspektivisch entwickeln wird.
Die medizinische Rehabilitation als Maßnahme der Deutschen Rentenversicherung ist ein wesentlicher Bestandteil der Fachkräftesicherung und unterstützt bei der persönlichen, gesellschaftlichen sowie beruflichen Teilhabe in Deutschland. Vor dem Hintergrund sich verändernder Rahmenbedingungen stellt sich jedoch die Frage, wie sich die medizinische Rehabilitation perspektivisch entwickeln wird.
Demografische Entwicklung:
Nach dem coronabedingten Rückgang der Leistungen zur medizinischen Rehabilitation ist seit 2021 ein Anstieg von Anträgen, Bewilligungen und Leistungen zu verzeichnen. Dieser Anstieg wird durch die demografische Entwicklung ab dem Jahr 2025 gebremst. Die Bevölkerung im Erwerbsalter wird sich bis 2035 um ca. 6 % verringern. Zeitgleich verschiebt sich die Altersstruktur innerhalb der erwerbstätigen Bevölkerung. Da Rehabilitation überwiegend von Lebensälteren in Anspruch genommen wird, kann diese demografische Entwicklung dazu führen, dass die Anträge auf medizinische Rehabilitation bis 2035 um ca. 10 bis 15 % sinken werden.
Das Verhältnis der Indikationen hat sich in den vergangenen 20 Jahren bereits deutlich verändert. Während Rehabilitationen aufgrund von Krankheiten von Skelett, Muskeln und Bindegewebe deutlich zurückgegangen sind, ist der Anteil an psychischen Erkrankungen, die einen Rehabilitationsbedarf begründen, deutlich angestiegen. Wie werden sich die Rehabilitationsbedarfe bei Zivilisationskrankheiten entwickeln? Hier spielt nicht nur die demografische, sondern auch die gesellschaftliche Entwicklung eine wesentliche Rolle.
Gesellschaftliche Entwicklung:
Zu den wesentlichen gesellschaftlichen Entwicklungen mit Relevanz für die medizinische Rehabilitation gehören die Veränderung der Versorgungsbedarfe, der Wandel der Arbeitswelt, Zuwanderung und Migration, die Digitalisierung, die Zunahme der Chronifizierung psychischer und somatischer Leiden sowie das Auftreten von Multimorbidität. Diese Entwicklungen führen u.a. zu weniger Erwerbspersonen, einer höheren Diversität, höheren psychosozialen Anforderungen, mehr chronischen Erkrankungen und mehr Arbeit trotz Beeinträchtigung.
Insgesamt besteht die Gefahr, dass mehr vorzeitige Ausstiege aus dem Erwerbsleben das immer geringer werdende Erwerbspotenzial bedrohen. Hier wird die medizinische Rehabilitation auch in Zukunft einen wesentlichen Beitrag leisten.
Steigende Bedeutung von Rehabilitation:
Die Rehabilitation wird ihren hohen gesellschaftlichen Wert in den kommenden Jahren weiter ausbauen. Effektive und effiziente Leistungen zur Rehabilitation halten Menschen trotz gesundheitlicher Einschränkungen weiter in Arbeit und gewährleisten so eine gesellschaftliche Teilhabe. Durch die Nutzung der Angebote zur Rehabilitation verbessert sich das Arbeitskräftepotenzial in Deutschland. Dies führt zusammen mit einer besseren finanziellen und sozialen Absicherung von Menschen mit bedingter Gesundheit zu einer Stärkung unserer gesellschaftlichen Grundwerte und des sozialen Friedens.
Austausch mit der Politik:
Um die Rehabilitation den veränderten Rahmenbedingungen anzupassen, ist ein offener und konstruktiver Austausch mit der Politik unerlässlich. Auch die aktuelle Bundesregierung hat die Bedeutung der Rehabilitation erkannt und in ihrem Koalitionsvertrag die Wichtigkeit des Grundsatzes „Prävention von Reha vor Rente“ unterstrichen. Mit verschiedenen Maßnahmen wie der flächendeckenden Umsetzung des Ü45-Gesundheitschecks, der Einführung des Fallmanagements im SGB VI und einem gemeinsamen trägerübergreifenden Grundantrag für Rehabilitations- und Teilhabeleistungen soll die Perspektive der Rehabilitation gestärkt werden.
Neben der inhaltlichen Ausgestaltung ist aber auch eine ehrliche Diskussion über die finanziellen Möglichkeiten essentiell für die Weiterentwicklung des Systems. Ausgebaute und gestärkte Leistungen führen zu höheren Kosten, die das aktuelle Reha-Budget an seine Grenzen bringen. Um die Qualität und den Umfang der Leistungen zur medizinischen Rehabilitation auch mittel- und langfristig sicherzustellen, sollte das Budget geprüft und ggf. angepasst werden, um auch zukünftig eine qualitätsgesicherte und zugängliche Rehabilitation zu ermöglichen.
Ausführungen von Thomas Keck, Erster Direktor der DRV Westfalen in der Publikation der DAK-VRV Aktuell 26-01.
DAK-VRV bedankt sich für die Ausführungen und hat den gleichen Blick auf die Bedeutung von Rehabilitation.